Unsere Träume halten uns am Leben und auch wenn wir sie für kurze Zeit aus den Augen verlieren mögen, sind sie nicht weg zu denken und omnipotent.Vielleicht ist dass, der Schlüssel zur Glückseligkeit.

Als die Berliner Designerin Ewa Herzog in der Ukraine geboren wird, ahnt sie noch nicht, dass sie zu den Sonnenkindern des Lebens gehören würde. Ihr Umzug nach Deutschland brachte zunächst ein Medizinstudium mit sich, dass sie mit Ehrgeiz und Bravur abschloss. Doch ihr Herz schlug für etwas Anderes weitaus mehr, als für die Medizin.
So entschloss sie sich, mit dem Diplom in der Hand, einen anderen Weg einzuschlagen und dem Ruf ihrer Träume zu folgen – sie studiert Mode Design.

„ Man muss die Hingabe dafür haben und meine Hingabe galt etwas Anderem – Mode.“

Heute, 9 Jahre später, gehört sie zu den bekanntesten Absolventen der AMD, eine der renommiertesten Modeschulen Deutschlands.

Ihr Atelier in Wilmersdorf zeichnet eine weiße Libelle auf der Frontscheibe. Ich betrete das Geschäft und werde direkt von Yury begrüßt. Links und rechts bin ich von feinster Spitze umgeben. Auf dem Boden sind Unmengen von hohen Schuhen, schöne, hohe Schuhe – ein Traum für jede Frau.
Yury bringt mir ein Glas Wasser, was ich sehr aufmerksam finde und ich nehme Platz.
Kurz vor jedem Interview, überkommt mich ein Schub von Aufregung: Wer ist sie? Was will sie von mir hören? Sind meine Fragen gut gewählt? Wird sie mich mögen? Werde ich sie mögen?
All diese Fragen und mehr rasen durch meinen Kopf und schon öffnet sich der große, gold umrahmte Spiegel an der Wand.

Wie in einem Märchen, tritt eine wunderschöne, grazile Frau hinaus, auf mich zu. Sie trägt einen Zopf auf der linken Seite und einen schönen, sommerlichen Einteiler.

Mit einem festen Händedruck begrüßt sie mich, die Augen weit geöffnet und das Lächeln von Herzen auf dem Gesicht tragend.

Wir setzen uns und beginnen mit dem Interview.

Auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin stellt Ewa ihre neue Kollektion, „TOUCH OF NOTHING“ vor.

„Viele denken immer, wenn sie den Titel hören oder lesen, es ginge um viel Haut, durchsichtige Stoffe oder gar wenig Stoffe, dabei verstehen sie nicht, dass auch schwere Seide, Baumwolle, geschlossene Kleider, sich sehr leicht anfühlen können.“

Inspiriert von der Frau, ist es ihr immer währendes Ziel, Kleider und Outfits zu kreieren, die die Schönheit des weiblichen Wesen hervorbringen und unterstreichen.Ihre kreativen Impulse sind dabei ein Crossover: Musik, Farben, selbst Kleidungsstücke an Passanten auf der Straße oder ein Spaziergang im Wald sorgen für den kreativen Schub. „Dann..:“, so sagt sie, „…schließe ich meine Augen und sehe Farben und Formen genau vor mir.“

Es ist ein Gefühl, dass Ewa Herzog vermitteln möchte, ein Gefühl von Stärke. Die Frau soll sagen können, „in diesem Kleid, bin ich gut aufgehoben“ und sich auch so fühlen.Nach 9 Jahren im Business, gehört Ewa Herzog zu den namenhaften Designern und dennoch, sie vermittelt ein Gefühl von Bodenständigkeit. Sie weiß, dass sie mit ihrem Team ins schwarze getroffen hat.

Daher wird auch ihr Team entscheiden, was am 10.07 auf der Fashion Week laufen wird.

Von den 80 Teilen der Kollektion, dürfen wir nichts sehen. Ein kurzer Schulterblick zu Yury, ein Lächeln und „..es bleibt ein Geheimnis.“. Auch die Designerin weiß noch nicht was laufen wird. Lediglich bei ihren Herzstücken, bestimmt sie, doch alles Weitere übergibt sie ihrem Team.

Ich möchte mehr wissen und darf schließlich doch einen kleinen Blick, auf einen der Stoffe werfen.Feinste Spitze, in der ich mich verlieren will.

Wieder aus meinem Tagtraum von Sekunden erwacht, kehre ich zurück zum Gespräch. Ob Ewa Angst hat, kopiert zu werden, beantwortet sie mit den coolen Worten: „dann habe ich wohl alles richtig gemacht.“.

Es herrscht eine ausgelassene Stimmung und doch sitzt vor mir eine junge Frau, die Verantwortung trägt, wie sie mir im Laufe des Gesprächs verrät. Verantwortung für ihre Mitarbeiter und ihre Visionen.

Etwas steht fest, Ewa liebt und genießt das Leben und auch ihr Team ist in vollen Zügen dabei. „Niemand macht bei uns Überstunden, alle gehen pünktlich nach Hause, zu ihren Familien oder Freunden und genießen das Leben. Wir sind sehr gut organisiert“.

„Einfachheit ist die höchste Form der Raffinesse!“, verlautete einst Leonardo da Vinci, ein großartiger Künstler, der seine Zeit längst überlebte. Auch Steve Jobs äußerte diese Worte, als es um das Design des Apple Computers gehen sollte. „Einfachheit plant sich besser“, ergänzt Ewa und lächelt entspannt, obwohl ihre Kollektion gefühlt schon morgen laufen wird.

Selbst, lässt sie es sich nicht nehmen, ihre eigenen Kleider zu tragen, doch nie designed sie Unikate für sich selbst, schließlich soll jede Frau schön aussehen können – in ihren Kleidern sich auch so fühlen.

Einmal, so berichtet sie, trug sie ein eigenes Kleid im Urlaub, welches sie mit einer Unbekannten tauschte, weil diese sich buchstäblich in das Kleid verliebte und nicht warten wollte, bis Ewa ihr das Kleid zuschickte.

Ein spontanes und aufregendes Leben, dass wir an diesem Abend ein Stückweit näher kennen lernen dürfen.

In Erinnerung schwelgend, lacht sie ausgelassen und ich kann es mir nicht nehmen, dieser Frische Folge zu leisten.

Wir beenden das Interview, doch reden weiter, etwa 15 Minuten und mir fällt das Bild an der Wand auf. Erneut zeichnet es eine Libelle, so assoziiere ich dieses Wesen und ich sollte recht behalten. Zur Geburt erhielt sie von ihrer Mutter, einer Juwelierin, eine eigens angefertigte Libelle. Seither begleitet sie Ewa Herzog ein Leben lang.

Die grazile Gestalt der Libelle, ein wunderschönes Wesen, obgleich ein Insekt – und was kaum einer weiß –  ein Raubtier, in der eigenen Welt.

Interview mit Ewa Herzog

Text: Liliana Capari for EQUAL MAGAZINE